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Elemér Zalotay gestorben

Elemér Zalotay gestorben
Ziegelried aussen @ Ideales Heim

Elemér Zalotay (1932 – 2020) – Utopist, Unverstandener, Star

Elemér Zalotay ist im Alter von 88 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Zum ersten Mal in Kontakt mit ihm und seinem Werk kam ich während meines Studiums. Unsere Klasse machte einen Ausflug nach Ziegelried bei Schüpfen. Und was dort am Rand eines biederen Einfamilienhausquartiers stand, stellte so manche Gewissheit radikal auf den Kopf. Zalotays Haus liest sich wie ein Querschnitt durch alles Denk- und Machbare: Im Grunde rational aufgebaut, mit den Jahren überkrustet mit einer Schicht aus Objets trouvés verkörpert es Urhütte, Moderne und Romantik in einem. Wo Planung endet und Improvisation anfängt, ist nicht zu entscheiden.

Erst später, als ich mich näher mit Zalotay beschäftigte, wurde mir bewusst, dass das Haus in Ziegelried die winzige Wurzel von etwas viel grösser Gedachtem war. Zalotay arbeitete zeitlebens und bis zu seinem Tod an Leichtkonstruktionen für den Selbstbau, die das Bauwesen revolutionieren und bis zu vier Kilometer (!) hohe Gebäude ermöglichen sollten. Dahinter stand sein Verständnis des Bauens als sozialer Akt: Angemessener Wohnraum sollte für alle bezahlbar sein. Die Radikalität seines Denkens scheiterte allerdings an der Realität: Ausser in Ziegelried blieben seine diesbezüglichen Entwürfe Papier.

In seinem Herkunftsland Ungarn ist Zalotay - anders als in seiner Schweizer Wahlheimat - ein Star. Zu Beginn seiner Karriere realisierte er dort spektakuläre Bauten, etwa das Sputnik-Observatorium in Szombathely als Beton-brut-Skulptur. Erst gefeiert, fiel er Anfang der 1970-Jahre bei den Parteifunktionären in Ungnade und emigrierte daraufhin in die Schweiz, wo er bei Franz Meister in Bern sein Auskommen fand.

Utopist, Vertriebener, Unverstandener, Architekturstar: Elemér Zalotay und sein Werk passt in keine Schublade. Umso mehr hätte er und sein Werk - auch hierzulande - ein vertieftes Hinschauen verdient.

Links: Werk, Bauen + Wohnen: Werknotiz 25.07.2016 hier

vorgestellt von Martin Klopfenstein