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BSA Bern, Our concerns, , W. Hunziker / T. Pulver / D. Di Giacinto

BSA Bern Preis 2020 - BFH

BSA Bern Preis 2020 - BFH

Laudatio BSA Anerkennungen 2020 / Bachelorthesis BFH Burgdorf – Architektur

Sela Tamar Farner und Lorena Sabattini

Der BSA (Bund Schweizer Architekten) versteht die Architektur als umfassende baukünstlerische Tätigkeit, entgegen der Tendenz einer zunehmenden Spezialisierung in allen Berufen. Die diesjährige Bachelorthesis ist als „konstruktiver Entwurf“ betitelt. Sie soll demnach das gesamte Spektrum des architektonischen Entwerfens vom Aufgabenverständnis über die Konzeptentwicklung, die Gestaltfindung bis zur statisch-konstruktiven Umsetzung abdecken. Wer sich mit dem Prozess der Entwurfsarbeit befasst, wird bestätigen, dass in der Entwicklung einer wirklichkeitsnahen bautechnischen Umsetzung eine prägnante Leitidee „verwässert“ werden kann, ...oder im Gegenüber mit der baulichen Realität nur bestehen kann, wenn die Nutzungsanforderungen und Entwurfsvoraussetzungen entsprechend interpretiert werden. Bei der Durchsicht der Bachelorarbeiten fand das BSA Auswahlgremium keinen in allen Aspekten überzeugenden Entwurf, dennoch aber ragten zwei Arbeiten heraus, zwei gegensätzliche Entwürfe mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung im bereits genannten Sinn. An Stelle eines Preises verleiht der BSA deshalb zwei Anerkennungen.

Sela Tamar Farner beeindruckt mit einer gewagten Projektidee, welche folgerichtig und fast in Reinform umgesetzt und sparsam, aber wirkungsvoll dargestellt ist. Ihre Projektlösung lehnt sich Internatsbauten des 19.Jahrhunderts an: ein klarer quaderförmiger Baukörper, in dem Schule, Werkräume, Mensa und gemeinschaftliches Wohnen sozusagen „intramuros“ und auf verschiedenen Geschossen stattfinden. Der radikalen Entwurfsidee folgend, sind die Funktionen auf den verschiedenen Geschossen geschickt ausgelegt. Gewisse Raumquerschnitte durchstanzen die Fassadenhaut und schaffen einen eigenwilligen Innen-Aussenbezug. Überhaupt zeugt die Arbeit von einem hohen Grad an Stilsicherheit und einem starken Gestaltungswillen, zum Beispiel im Umgang mit einfachen Geometrien, gerundeten Raumecken und plastischen Wandkörpern. Selbst die Setzung eines solch dominanten Baukörpers ins lokale Siedlungsgefüge ist bei einer entsprechend konsequenten Umgebungsgestaltung denkbar. Allerdings sind zum Beispiel Fragen zur Alltagtauglichkeit des Wohnbereichs im zweiten prämierten Projekt besser beantwortet.

Lorena Sabattini geht von einer sorgfältigen Analyse des Kontextes und einer vertieften, realitätsnahen Interpretation der Bauaufgabe aus. Die neuen Baukörper sollen das bestehende Bebauungsmuster sinnvoll erweitern und dabei einen typologisch und stadträumlich angemessenen Übergang zwischen dem alten Dorfkern und den kürzlich entstandenen Industriehallen im Osten herstellen. Ein sorgfältig dargestellter Dachflächenplan veranschaulicht diese Absicht und unterstreicht die wichtige Rolle der Freiräume und Durchblicke in Siedlungsgefüge. Die funktionelle Gliederung in Gebäudeteile folgt bewährten Mustern. Die meist geschickte bautechnische Umsetzung basiert auf bekannten effizienten Konstruktionsprinzipien, aus der auch Form und Ausgestaltung folgerichtig entwickelt werden. Beispielhaft sind die spannenden Wohncluster. Talent, Realitätssinn, professionelle Kenntnisse, Methodik, Gestaltungswille usw. vermögen gute Architektur zu erbringen. Aber, was wäre unsere gebaute Umwelt, wenn sie nicht von Zeit zu Zeit durch gewagte Projekte „gewürzt“ würde.

Der BSA gratuliert allen Studierenden zum erfolgreichen Abschluss ihres Bachelor-Studiums und hofft, dass neben der Anwendung und Weiterentwicklung der erworbenen Fähigkeiten im Berufsleben auch der innere Drang zu Innovationen und neuen Formgebungen weiter gelebt wird.

 

Walter Hunziker / Daniele Di Giacinto / Tom Pulver