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Pierre Clémençon gestorben

Pierre Clémençon gestorben
© Rolf Siegenthaler

Pierre Clémençon gestorben

Im Herbst 2011 gedachte ein grosses Aufgebot aus Bern und der ganzen Schweiz in St. Johannsen bei Erlach dem im Frühjahr verstorbenen Berner Architekturhistoriker Luc Mojon. Man durchschritt dieses ehemalige Bendiktinerkloster und traf sich in der Kirche. Unter den Rednern stach Pierre Clémençon hervor. Er sprach über die Gesamtsanierung dieser völlig abgewirtschafteten historischen Anlage, über die enge Zusammenarbeit mit der Universität und der Denkmalpflege, namentlich mit Luc Mojon. Pierres Rede schlug die Zuhörer in Bann, er sprach engagiert, von der Aufgabe immer noch gepackt, überzeugt von der Frucht klärender Gespräche, dankbar für die fördernde Zusammenarbeit von Architektur und Geschichte. Warum bleibt die Erinnerung an diese Rede haften? Die Zuhörer standen alle unter den Eindrücken, die sie beim Gang durch das Kloster aufgenommen hatten, und nun sprach ihr Exponent. Jeder spürte, dass die fast 30 Jahre zurückliegende Revitalisierung dieser kostbaren mittelalterlichen Bausubstanz in keiner Hinsicht veraltet wirkte, sondern frisch. Die zeitgenössischen Ergänzungen, etwa des Kreuzganges, überzeugten durch ihre Angemessenheit auch eine Generation später. Hier war man Zeuge eines seltenen Vorganges: der massgebende Architekt sprach an der Gedenkfeier für den verstorbenen Gesprächspartner über einen doch weit zurückreichenden Planungs- und Bauprozess, der zu so guten Lösungen geführt hatte, und der ihm ungemein gegenwärtig geblieben war. Und heute gedenken wir Pierre Clémençons, verstorben am 15. Mai 2019.

Pierre Clémençon wurde 1939 geboren, studierte nach einer Bauzeichnerlehre Architektur und trat 1966 als Mitarbeiter ins Büro von Edwin Rausser ein. Er war rasch an wichtigen Arbeiten Raussers beteiligt, so am Kirchenbau Urtenen, am Bau des Fleckvieh-Zuchtverbands in Zollikofen. 1973 wurde Pierre Teilhaber; im gleichen Jahr gewann das Büro den Wettbewerb für St. Johannsen. Wie in guten Architekturbüros üblich, sind die Anteile der an einem Projekt Beteiligten von aussen schwer zu scheiden, aber für das Projekt St. Johannsen sprach 2011 der Richtige. Weitere Wettbewerbserfolge blieben nicht aus, so für das Altersheim Lyss, das im besten historischen Bestand selbstbewusst auftritt. Pierre fand dafür erneut die angemessenen zeitgenössischen Mittel, diesmal für ein grosses Volumen. Das gilt auch für den Unitobler in der Länggasse, zu dem Pierre die Vorstudien schuf, um dann in der Architektengemeinschaft dieses städtebaulich, architektonisch, ökonomisch und sozial ebenso geglückte Vorhaben bis 1993 ausführen zu können. Es war eine Zeit, in der der Kanton eine Vorbildfunktion im Bauen wahrgenommen hatte; nur in der intensiven Zusammenarbeit von Architekten und Bauherrschaft konnte eine solche Realisierung entstehen. Andere öffentliche Bauten, wir nennen Konservatorium, Schulanlagen Spitalacker und Pestalozzi, zeigen die Sorgfalt im Umgang mit dem Bestand aus ganz verschiedenen Zeiten. Eine Spezialität von Pierre sind die Begleitungen von Verkehrsbauten, seien es Tramlinien in Berns Westen, Bahnhöfe oder Strassenkeuzungen: Wie sähe wohl der Wankdorfplatz und sein unterirdischer Kreisel  aus, ohne Pierres Mitwirken?

1990 war Edwin Rausser aus dem gemeinsamen Büro ausgetreten, nachdem er bereits vorher das Heft dem 15 Jahre Jüngeren überlassen hatte; Martin Ernst war bereits 1984 Partner geworden, das Büro hiess fortan Clémençon + Ernst. 2007 trat Pierre aus der Bürogemeinschaft aus. Seither traf man Pierre auf Reisen, an Veranstaltungen, bei Tagungen, oder aber in seinem Atelierhaus mit der ureigenen Atmosphäre, wo er seinen künstlerischen Neigungen frönte. Er wird uns fehlen.

Die Trauerfeier findet am 24. Mai 2019 um 10.30 Uhr in der Kapelle des Schosshaldenfriedhofs, Ostermundigenstrasse 116, Bern statt.

 

vorgestellt von Jürg Schweizer