Schliessen
BSA-FAS, News,

werk, bauen + wohnen 10–2026 «Besser betonieren»

werk, bauen + wohnen 10–2026 «Besser betonieren»

Mit neuem Wissen und Gewissen

Eigentlich herrscht Einigkeit: «Beton ist schlecht. Seine Klimabilanz ist eine Katastrophe. Um nach-haltig zu sein, müssen wir ohne ihn bauen.» Einstimmiges Nicken im Fachpublikum bei allen Vorträgen und Podiumsdiskussionen. Stille Ernüchterung dann aber im Planungsalltag: So einfach kommt man an dem Baustoff nicht vorbei. Ob als Infrastruktur, Erdbeben-Aussteifung oder zur Gründung im feuchten Boden: Beton ist oft alternativlos.

Es geht in diesem Heft nicht darum, Beton auf ein Podest zu heben. Doch haben wir versucht, ihn nicht reflexhaft zu verdammen. Keine Branche steht unter grösserem Innovationsdruck als die Betonindustrie. Grund genug, ihr auf die Finger zu schauen. Und es tut sich so einiges: Sortenreines Recycling, klimafreundliche Zuschläge und zementfreie Bindemittel sind auf dem Weg. Verbesserte Normen erlauben neue Rezepturen, nehmen aber auch Betonwerke und Planende in die Verantwortung (S. 6). Gut  so. Dem schlechten Gewissen der Architektinnen und Architekten entgegnen wir: Auch beim -Betonieren kann man einiges richtig machen.

Die folgenden Projekte möchten aufzeigen, wie. Wohlüberlegt wurde Beton beim Tragwerk des Alto Turms in Zürich verwendet: sparsam, effizient und in seiner Klimabilanz mit einer Hybridkonstruktion vergleichbar (S. 13). In Kopenhagen wurden vorgespannte Betonträger nicht geschreddert, sondern an Ort und Stelle gleichwertig wiederverwendet (S. 30). Nach dem Bergsturz in Bondo 2017 ist dort die neue Schutzverbauung fertig (S. 20). Solchen Naturgewalten kann nur Beton dank seiner Eigenschaften trotzen – und er macht dabei eine gute Figur. Bei den drängenden Umweltfragen rückt die Ästhetik des «flüssigen Steins» oft in den Hintergrund. Darum zeigen wir Bilder vom Rohbau des Bahnhofprojekts Stuttgart 21. Viel kritisiert, -entfaltet das Projekt eine Eleganz im Raum, die nur der Beton möglich macht. Zu wünschen bleibt, dass wir diese Qualitäten künftig mit mehr Bedacht verwenden und bald mit sauberem Gewissen be-staunen dürfen. — -Christoph Ramisch-