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werk, bauen + wohnen 9–2026 «Wasser»

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Vom Wert der Pfütze

Die teuerste Pfütze der Schweiz – so nannte man etwas despektierlich den Gustav-Gull-Platz in Zürich, als dieser 2014 eröffnete. Die offene Wasserfläche auf geneigtem Asphalt, eingefasst von hellgrauem Granit, liegt am Ende der Europaallee. Im Kontrast zu den extravaganten Wohn- und Bürohäusern, erbaut von den Big Names der Architektur- für die Big Names der Techszene, wirkt der Platz aber eher wie ein Understatement. Hart, karg und wenig durchlässig ist er. Im Sommer heizt er schnell auf, die Ginkgo-Allee braucht noch ein paar Jahre, bis sich die Blätter als schattenspendendes Dach über der Fussgängerzone ausbreiten. Auch wenn dieser Platz das Hauptproblem aufzeigt, das die Umgebungsgestaltung der letzten Jahrzehnte heute verursacht, haben ihn viele Zürcherinnen und Zürcher liebgewonnen. Schuhe aus, Hosen hoch, barfuss durchs Wasser waten; sogar mit dem Velo kann man durch die Pfütze kurven, jede Runde ein bisschen tiefer, und mit dem Wasser, das an den Reifen haften bleibt, ein Muster auf den Asphalt malen. Wasser zieht die Menschen magisch an.

Wasser kühlt, Badis sind der Inbegriff des sommerlichen Lebensgefühls in Schweizer Städten. Beim erfrischenden Sprung in die Aare, die Limmat, den Rhein oder den Cassarate (S. 26) vergisst man leicht, dass auch die glasklaren Schweizer Gewässer in den 1960er Jahren noch trüb und verschmutzt waren. Während sich einige europäische Städte noch schwertun, den Traum der Swimmable City zu verwirklichen, zeigt die Metropole Paris, wie sich ein solches Vorhaben in Windeseile umsetzen lässt, wenn der politische Wille da ist (und die Olympischen Spiele vor der Türe stehen) (S. 32).

Aber nicht nur für Menschen und nicht nur wegen seiner kühlenden Wirkung ist Wasser das Gestaltungsthema der Stunde. Mit dem Klimawandel werden Trockenperioden länger, Wetterereignisse -intensiver. Um Flora und Fauna zu versorgen, aber auch um die Schäden durch Überschwemmungen möglichst gering zu halten, sollten Böden heute wie Schwämme funktionieren. Hat man einst grösste Anstrengungen auf sich genommen, Auen trockenzulegen und Flüsse zu drainieren, hat man heute Mühe, Böden feucht und den Grundwasserpegel stabil zu halten. Statt einer Entwässerungs- müssen wir uns einer Bewässerungskultur zuwenden (S. 6). Sich an der Schönheit einer Pfütze zu erfreuen, ist da vielleicht ein Anfang. — Jasmin Kunst