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werk, bauen + wohnen 7/8–2026 «Bern»

werk, bauen + wohnen 7/8–2026 «Bern»

Der Berner Geist

Warum ein Heft über Bern? – Eine Frage, die niemand stellen würde, ging es um Basel oder Zürich. Bern ist Sympathiehauptstadt mit Aare, Altstadt, Rosengarten und Berns Stadträume sind per se politisch – wo sonst als in der Bundesstadt deponiert man seine Anliegen? Doch wie steht es um die Architektur? Für dieses Heft haben wir 44 Projekte der letzten Jahre ausgewählt. Diese Berner Perlen sind oft kleine, feine Bauaufgaben, mit denen ortsansässige Architekturbüros ihre Stadt weiterbauen.

Stadtplanerin Jeanette Beck benennt im Interview eine Eigenheit: Bern sei eine Beamtenstadt, sagt sie und meint damit auch den überforderten Bahnhof. Denn deutlich mehr Menschen pendeln zur Arbeit in die Stadt als dort wohnen. Nicht nur der Bahnhof und seine angrenzenden Stadträume werden umgebaut. Die Stadt wächst moderat – an manchen Stellen mehr als das: seit Jahren im Gespräch und jetzt im Bau sind die Wankdorf City 3 (auch als «Gestapelte Stadt» bekannt) und das Viererfeld. Neue Quartiere zum Wohnen entstehen auch in Weyermannshaus West. Rolf Mühlethaler machte dafür 2018 einen wegweisenden Vorschlag: die Gewerbebauten als städtische Ressourcen nutzen und weiterbauen; vorhandene Gassen und Höfe erhalten, die DNA des Quartiers fortschreiben und so stadträumliche Qualität sichern. Der planerische Grundstein ist gelegt – man darf gespannt sein!

Umstrittener ist die Transformation des Gaswerkareals, denn viele Bedürfnisse kommen hier zusammen. Quo vadis? – fragt unser Autor Simon Gysel und zeichnet die Entwicklung in der Schwemmebene nach. Die Stadt macht vorwärts, ein erster Projektwettbewerb läuft. Nun sind die Architekturschaffenden gefragt. Vielleicht unternehmen die einen oder anderen eine Pilgerreise hinter den Bremgartenwald. Auf einer Waldlichtung über der Aare nistet bröckelnd und eingewachsen ein sozialer Gemeinschaftsorganismus, Ikone und Urgestein des Berner Siedlungsbaus: Halen, von Atelier 5. Auch Thalmatt oder die Siedlung Hintere Aumatt von arb lohnen einen Besuch, um den Geist zu erleben, der den Berner Wohnungsbau einst weitum bekannt machte. Und es gibt eine Fortsetzung: Am Holliger ist dieser Gemeinschaftsgeist wieder da. Urbane, genossenschaftliche Wohnprojekten geben ihm Raum. Paula Sansano war für uns vor Ort und hat beobachtet, wie Freiraum und Häuser belebt werden. — Lucia Gratz