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werk, bauen & wohnen Ausgabe 5–2026 «Heiter bis lustig»

werk, bauen & wohnen Ausgabe 5–2026 «Heiter bis lustig»

Adieu tristesse

Architektinnen und Architekten sind nicht gerade für ihren Humor bekannt. Viele Bauten – selbst solche mit baukulturellem Anspruch – bestätigen das Klischee: Sie sind monoton, grau und bitterernst. Warum eigentlich? Die einen argumentieren mit überbordenden Baukosten und Anforderungen, andere mit den Nachwehen der Swiss Box und des Schweizer Minimalismus. So oder so, vor dem Hintergrund des aktuellen Weltgeschehens sehnen wir uns doch alle nach Momenten der Leichtigkeit und Freude. Höchste Zeit also, der heiteren Seite der Architektur ein Heft zu widmen. Denn Lachen baut Stress ab und verbindet, feine Ironie amüsiert und weist ohne Fingerzeig auf Missstände hin: in -gezeichneter oder geschriebener Form.

Und auch in gebauter Form muss man nach dem Humor gar nicht so lange suchen, aber vielleicht etwas genauer hinschauen. Er findet sich in allen Epochen der Architekturgeschichte. Besonders gerne werden heutzutage die grafischen Dächli oder die bunten Streifen der Postmoderne zitiert. Als damals ganze Häuser die Form von Alltagsprodukten oder Haustieren annahmen, feierte der Humor in der Architektur sein ausgelassenstes Fest. Aber er geht auch subtiler und findet sich oft im Detail: eine kleine Irritation, eine unterlaufene Erwartung, eine überraschende Assoziation erheitern nicht nur den Alltag, sondern öffnen Möglichkeiten – oder lösen kurzerhand Probleme, wie die -Recherchen der Architektin von Studio Fala Lera -Samovich zeigen (S. 6).

Für Marc Loeliger und Barbara Strub sind hei-tere Momente im Beruf überlebenswichtig (S. 12). Sie -bereichern den Arbeitsalltag ebenso wie die Bau--ten selbst. Humor kann gar zur treibenden Kraft der Gestaltung werden. So nahm es auch der Architekt Álvaro Siza mit Humor und liess das zynische -Graffiti «Bonjour tristesse» an seinem Bau am Schlesischen Tor in Berlin gar nicht erst entfernen. We-niger bekannt ist aber der Anfang des Gedichts von Paul Éluard, aus dem der Schriftzug am Wohnhaus entlehnt ist. Er lautet sinnstiftend für dieses Heft: Adieu tristesse. — Jasmin Kunst