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werk, bauen + wohnen 4-2026 « Agglozentren»

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Ort oder Nicht-Ort?

Agglomerationsgemeinden investieren in ihre Identi-tätsbildung und versuchen hartnäckige Vorurteile abzuschütteln. Monoton und verwechselbar seien sie, chaotisch und ohne Reiz. Wo Aussenstehende einen Nicht-Ort wittern, der scheinbar seelenlos seine Funktion erfüllt, zeigt sich bei genauerem Hinsehen oft ein anderes Bild: Die Menschen vor Ort kennen die Besonderheiten und den Wert ihres Wohn-um-felds am besten – wissen aber auch, was im Alltag fehlt. Auf vorhandenen Eigenschaften aufzubauen, aber auch neue Bedürfnisse in qualitätsvolle Stadträume zu übersetzen, ist Aufgabe der Planenden. Den Zentren der wachsenden Agglomeration kommt bei dieser Neuausrichtung eine besondere Rolle zu: Sie werden zu Trägern baulicher Dichte, bieten Aufenthaltsqualität und dienen der Wohnbevölkerung als Bezugspunkte – als Orte, die verbinden. Meist sind sie auch wichtige Mobilitätsknotenpunkte. Doch längst nicht alle pendeln weg. Aus den Schlafstädten der Hochkonjunktur sind Arbeitsorte, Stätten für Kulturgenuss und Freizeitgestaltung geworden. Starke Subzentren sind Ausdruck eines -periurbanen Raums, der sich zunehmend von der Kernstadt emanzipiert. 
Im Gespräch plädiert die ehemalige Genfer Kantons-planerin Ariane Widmer Pham für Planungsbündnisse über Gemeindegrenzen hinweg. Nur so stünden genügend Ressourcen für eine durchdachte Entwicklung zur Verfügung. Wie steinig der Weg zu einer veränderten Vorstellung von Agglomeration ist, zeigt sich in Effretikon. Der Retortenort aus der Nach-kriegszeit nimmt einen nächsten – und diesmal -erfolgversprechenden – Anlauf, um sich eine urbane Mitte zu geben. Wie sich die Idee vom Zentrum im Lauf der Jahrzehnte wandeln kann, lehrt Geroldswil im Limmattal. Ein beliebter Zentrumskomplex mit kulturellen und sozialen Einrichtungen verwaiste nach und nach. Die Gemeinde gibt mit altersge-rechten Wohnungen Gegensteuer – doch reicht das? In Rotkreuz wird das Zugfenster zum Schaufenster der Urbanisierung: Beidseits der Gleise wächst eine neue Stadt. Auf dem Areal einer ehemaligen -Käserei ist ein Quartier mit öffentlichen Erdgeschossen unter Arkaden und hoher Wohndichte in roten Türmen entstanden. Der Urbanist Stefan Kurath wirft für uns einen kritischen Blick auf den städtebaulichen Wert dieser Gesten. — Lucia Gratz