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werk, bauen + wohnen 1/3-2026 « Gegensätze ziehen sich an »

werk, bauen + wohnen 1/3-2026 « Gegensätze ziehen sich an »

Gegensätze ziehen sich an

Ikonen der Schweizer Architektur sind bekannt für ihre skulpturale Präsenz und ihre fast obsessive- kon--zeptionelle Klarheit. Bauten wie Zumthors Therme in Vals, Kerez’ Wohnhäuser oder Olgiatis scheinbar aus einem Guss erstelltes Schulhaus in Paspels stehen exemplarisch für dieses Ideal, das im Diskurs der 2000er Jahre fest verankert war: -monolithisch wirkende Häuser als kontrollierte Einheit aus Raum, Material und Konstruktion.

Spulen wir 20 Jahre vor in die Gegenwart, hat sich in der Architektur ein Vibe Shift vollzogen. Ökologisch verantwortliches Bauen ist keine Nischenangelegenheit mehr, sondern Konsens. Damit sind viele CO₂-arme und regenerative Materialien zur Palette der Baustoffe gestossen. Der Alleskönner Stahl--beton, der lange Zeit einsame Spitze war, muss sich seinen Platz teilen.

Diese neue Heterogenität ist heute nicht nur -akzeptiert, sondern führt als Treiber veränderter Konstruktionsweisen auch zu einer neuen architektonischen Sprache. Ebenso hwat sich gezeigt: Häuser müssen damit nicht komplizierter werden, im Gegenteil. Den Schein des Puren zu wahren ist oft schwieriger, als die Vielheit zu feiern. Wenn jedes Material genau das tut, was es am besten kann – Tragen, Spannen, Schützen, Wärme speichern oder Begrenzen –, werden Entwürfe nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch gestalterisch reichhaltig.

Dieses Heft reiht sich in unsere Recherchen zu ökologischen Strukturen (wbw 6 – 2023) und Pflanzenbaustoffen (wbw 4 – 2024). Dieses Mal möchten wir den Blick wieder mehr auf die ganze Breite der Baustoffe richten. Regenerative Materialien gelten als das neue Normal; die Nachteile von Stahl und Beton sind hinlänglich diskutiert. Trotzdem müssen wir den Blick wieder auf sie richten. Sie sind günstig, -effizient, leistungsfähig – und damit oft (noch) un-ersetzbar. Heute geht es deshalb darum, sie gezielter einzusetzen, zu optimieren, -wiederzuverwenden und vor allem: klug zu kombinieren.

So präsentieren wir in diesem Heft klimafreundliche Häuser in Mischbauweise. Sie sind aus Ma-terialien konstruiert, die durch ihre komplementären Eigenschaften die Stärke des jeweils anderen zum Ausdruck bringen und dadurch vermeintliche Schwä-chen ins Positive drehen. — Jasmin Kunst