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werk, bauen + wohnen 12-2025 Auf Zeit

werk, bauen + wohnen 12-2025 Auf Zeit

Augenblick, verweile doch ...

Was hat die Hardbrücke in Zürich mit dem Pariser Eiffelturm gemeinsam? Eigentlich sollten beide nicht mehr existieren. Während der stählerne Turm der Pariser Weltausstellung 1889 für nur zehn Jahre vorgesehen war, galt die 1972 eröffnete Betonbrücke als Zwischenlösung bis zur Eröffnung des geplanten Expressstrassen Ypsilons. Beide Bauwerke stehen -bekanntlich heute noch. Einst konstruktive Muskelschau, ist der Eiffelturm touristischer Dauerbrenner und Höhepunkt der Pariser Stadtsilhouette. Und auch auf der Westtangente rollen nach wie vor über 50 000 Fahrzeuge täglich durch die Limmatstadt. Als der Verkehrsausbau an Bürgerprotesten scheitere, wurde die Hardbrücke zur lang-fris-tigen Lösung. Im Jahr 2011 wurde sie zuletzt saniert. Eigene Busspuren, breitere Velowege und jüngst ein neues Tramgleis machen das wichtige Nadelöhr für den öffentlichen Nahverkehr fit. Es ist ein schmaler Grat zwischen temporär und dauerhaft. Und genau diesen thematisiert das aktuelle Heft.

Die Geschichte des Provisoriums, das zum «Providurium» wird, ist oft erzählt. Doch das macht sie nicht minder aktuell. In Zeiten, in denen Häuser kaum mehr 50 Jahre überdauern, können wir von temporären Strukturen lernen, wie man Bauten dauerhafter konstruieren und entwerfen kann. Besonders bei jungen Architekten und Architektinnen spürt man eine Affinität zu temporären Bauaufgaben, die auch gern einmal als räumliche Interventionen oder Performances daherkommen. Die inhaltliche Einstimmung des Hefts bildet deshalb ein Gespräch, das wir mit Leonid Slonimskiy von Kosmos Architects sowie Dafni Retzepi und Philippe Buchs vom Genfer Büro Sujets Objets (S. 6) geführt haben. Mit ihnen sprachen wir über das Potenzial des Ephemeren, den Faktor Zeit in der Architektur und das sich ändernde Berufsbild. Unsere Aufgabe als Architekturschaffende wird es zunehmend sein, Raum und Material zu kuratieren – kurzfristig und dauerhaft. In einer angeregten Diskussion wurde einmal mehr deutlich, wie weich die Grenzen verlaufen und wie temporär das Dauerhafte oft ist, und umgekehrt. —

Christoph Ramisch