Am 12. Dezember 1943 wurde Bernhard Furrer geboren. Er besuchte die Schulen in Bern und studierte nach der Maturität an der ETH Zürich. 1968 erwarb er das Diplom als Architekt. Während fünf Semestern war er Assistent am ETH-Lehrstuhl des Kunsthistorikers Paul Hofer für Geschichte des Städtebaus und der Denkmalpflege. Er arbeitete in der Folge bei mehreren Architekturbüros in Bern und Helsinki, aus denen die Tätigkeit beim Berner Architekten Eduard Helfer heraussticht. 1970 heirateten Bernhard Furrer und Verena Lehmann, aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor.
Die Jahre 1973 und 1974 verbrachte das junge Paar in Tunis, wo Bernhard Furrer den Lehrstuhl für Entwurf und Konstruktion an der Technischen Hochschule innehatte. Nach der Rückkehr 1975 trat Furrer in das für Restaurierungen bekannte Architekturbüro von Hans Haltmeyer in Bern ein, wo er unter anderem am Projekt zur Wiederherstellung der barocken Fassaden des Kornhauses arbeitete. Später gründete er ein eigenes Architekturbüro und war zudem Bauberater des Berner Heimatschutzes für die Bundesstadt. Dabei galt sein Blick auch den Bauten des Historismus und der Qualität der Aussenquartiere, die im Glanz der Altstadt oft im Schatten standen.
1978 konnte die städtische Denkmalpflege gegründet und mit Bernhard Furrer besetzt werden. In kleinen Schritten baute er die Fachstelle aus und erfasste mit seinem Team den wichtigen Baubestand in 14 Inventaren. Der Baupflege galt die von ihm gegründete und redigierte Serie der sogenannten Praxisblätter, so für Fenster, Dachgestaltung oder Farbgebung. Die Rechenschaftsberichte erschienen in bernischer Bescheidenheit, aber versehen mit grundsätzlichen und weiterführenden, von Furrer verfassten Einleitungen. Die Aufnahme der Altstadt Berns in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO gelang 1983 erst, nachdem Furrer mit den Zuständigen Besichtigungsrundgänge, auch zu Strukturen und Interieurs, durchgeführt hatte.
Grundlagenwerke zu Architektur und Denkmalpflege
Die kantonale Kommission für Kunst und Architektur beauftragte Furrer, gestützt auf seine jahrelangen Recherchen, mit der Erarbeitung eines Werks zur Architektur der Kriegs- und Nachkriegszeit im Kanton Bern. Die ETH nahm es als Doktorarbeit an und Furrer publizierte es 1995. Zwei Jahre später wurde er zum Präsidenten der eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege (EKD) gewählt, ein Amt, das er bis 2008 wirkungsvoll versah. Das wichtigste Ergebnis sind die Leitsätze zur Denkmalpflege in der Schweiz, die von der Kommission unter Furrers Leitung 2007 erschienen – ein Grundlagenwerk, das die veraltete Restaurierungspraxis von 1948 ersetzte.
Sein Engagement in Bern hatte Furrer zu dieser Zeit bereits halbieren müssen, denn mit den Themen Architektur des 20. Jahrhunderts, Theorie der Denkmalpflege, Gutachten im Rahmen der EKD, Evaluation der Welterbestätten für ICOMOS und schliesslich mit der Lehrtätigkeit von 2000 bis 2013 an der Accademia di Architettura in Mendrisio beackerte Furrer ein weites Arbeitsfeld. Dazu begleitete er die Restaurierung wichtiger Baudenkmäler. Bei der letzten Restaurierung, jener der Zisterzienserkirche im Freiburgischen Hauterive, ging es um mehr als «nur» um bauliche Fragen: Nach schweren Differenzen zwischen Bauherrschaft und Kanton konnten im geduldigen Gespräch gemeinsam Lösungen erarbeitet werden, die die historische Substanz gleichermassen bewahrten, wie sie die berechtigten Anliegen der Abtei berücksichtigten. Bernhard Furrer war dabei in hohem Mass form-, vor allem aber sinnstiftend. Der wiedergewonnene, bald 900jährige wunderbare Raum hat das Seine dazu beigetragen. Er hält auch die Erinnerung an einen engagierten Kollegen und Freund wach. — Jürg Schweizer