
Office-Home
Derzeit stehen in der Schweiz viele Büros leer. Acht Prozent betrug der Leerstand laut Schätzung der Bank UBS im Jahr 2025. In gewissen Peripherien liegt er sogar bei 30 Prozent. Und der Blick auf den Immobilienmarkt zeigt eine klare Richtung: Gegenüber dem Vorjahr hat der Büroleerstand in Agglomerationen um neun Prozent zugenommen, Tendenz steigend.
Die Arbeitswelt verändert sich, und das nicht erst seit der Covid-19-Pandemie. Hybrides Arbeiten, Co-Working Spaces und Desksharing-Modelle sind längst Standard; glaubt man den Prognosen, dürfte KI den Bedarf an Büroarbeitsplätzen weiter senken. Aber zu denken, dass sich Unternehmen deswegen keine neuen Bürohäuser mehr leisten, wäre ein Fehlschluss: siehe HdMs Hortus, Mailand-Strasse oder Rocheturm 3. Aber das ist eine andere Geschichte.
Gleichzeitig fehlt bezahlbarer Wohnraum an allen Ecken und Enden. Landesweit steht nur ein Prozent der Wohnungen leer, in Zürich sogar nur 0,1 Prozent. Und die Preise steigen. Eine ein-fache Lösung liegt eigentlich auf der Hand: Wieso kann man nicht in Büros wohnen? Während des Studiums hatte ich einige Bekannte, die sich ein Büro mieteten und dieses in Selbstbau und baurechtlicher Grauzone kurzerhand zu einer Wohngemeinschaft umfunktioniert haben.
Dies normkonform und in grösserem Massstab umzusetzen, stellt Planende aber vor Herausforderungen. Dazu gehören etwa die Gebäudetiefen und fehlenden Erschliessungen (Wohneinheiten sind kleiner als Büros), die den Einbau zusätzlicher Kerne nötig machen oder zu langen Korridoren führen. Der Einbau von Bädern und Küchen erfordert neue Schächte. Und auch statische Fragen spielen eine Rolle: Trennwände und Einbauten bedeuten zusätzliche Lasten. Hinzu kommen Anforderungen an private und gemeinschaftliche Aussenräume, und natürlich baurechtliche Themen wie Lärm, das Verhältnis von Fenster zu Bodenfläche für die Belichtung sowie die Zonenordnung.
Trotzdem haben in letzter Zeit einige Transformationen diese Aufgaben gemeistert, wie die Beispiele in diesem Heft zeigen. Weitere sind auf dem Weg. Sie erinnern, wie so oft, daran: Der Umbau schafft überraschende Qualitäten, die Neubauten nicht bieten können. Gerade dort, wo das Korsett an Normen und Vorgaben eng geschnürt ist, wird eine ungeahnte Kreativität freigesetzt. — Jasmin Kunst