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BSA Zürich, Stellungnahmen,

Zukunft der SIA-Honorarordnung

Zukunft der SIA-Honorarordnung

An die SIA-SektionspräsidentenInnen und die Berufgruppen-PräsidentenInnen


2. Februar 2020

Zukunft der SIA Honorarordnung
Antrag zur Traktandierung und Beschlussfassung
Delegiertenversammlung


Sehr geehrte Damen und Herren

Seit Beginn dieses Jahres wurden alle Anhaltspunkte zur Berechnung des Honorars in der SIA Honorarordnung 102 offiziell ausser Kraft gesetzt. Es bestehen bislang keine neuen Hilfsmittel seitens des SIA, mit denen sich ArchitektenInnen, PlanerInnen und Bauherrn über ihre Leistungen und deren Vergütung verständigen können.
Dieser Umstand hat bereits seit Bekanntwerden der WEKO-Intervention zu Unsicherheiten bei den Mitgliedern des SIA geführt und zu vielen Fragen und Spekulationen Anlass gegeben. Was folgt auf die bisherige SIA 102? Gibt es die Möglichkeit einer neuen Ordnung, die WEKO-konform ist? Ist es letztlich nur ein statistisches Problem?
Leider dominieren in den Diskussionen unter Kollegen Meinungen und nicht Fakten. Vielen Mitgliedern des SIA ist nicht klar, was genau die Kritikpunkte der WEKO-Intervention von 2015 waren, die zum Rückzug der SIA 102 und des Baukostenmodells führten und welches die Bemühungen seitens des SIA sind, dieser Kritik zu begegnen. Steht die SIA-Leitung für ein laissez-faire, bei dem jeder Planer und Bauherr auf sich alleine gestellt wird? Oder arbeitet sie ernsthaft an einem neuen, griffigen Hilfsmittel? Welche Optionen bestehen überhaupt?
Vor diesem Hintergrund fordern die hier unterzeichnenden Mitglieder die SIA-Leitung zur Traktandierung und Beschlussfassung folgender Anliegen auf:

  1. Um weiteren Spekulationen und Mutmassungen entgegenzutreten wird eine umfassende, transparente und kontinuierliche Kommunikation hinsichtlich der mit der WEKO geführten Gespräche, der Analysen und Absichten zu Übergangs- und Nachfolgeregelungen betreffend Leistungs- und Honorarordnungen verlangt.
  2. Es wird die Forderung nach einem neuen SIA-Tool zur Abstimmung der Leistungen und deren Vergütung erhoben, das auch in Zukunft ein für alle Parteien verlässliches und allgemein anerkanntes Mass an Vergleichbarkeit von Honorarangeboten erlaubt. Die angekündigte Übergangslösung mit Benchmarks auf Basis von Werk-Daten wird nicht als ein ausreichend taugliches Tool erachtet.
  3. Für die Erarbeitung eines neuen Hilfsmittels soll ein Zeithorizont von 5 Jahren festgesetzt werden. In dieser Zeit sollen Optionen aufbereitet, verglichen und bewertet werden, um schliesslich ein taugliches Tool erarbeiten zu können, das WEKO-konform ist. Es sind auch Massnahmen einzubeziehen, die über den Mitgliederkreis des SIA hinausgehen.
  4. Die dafür notwendigen Anstrengungen sollen interdisziplinär, das heisst unter Einbezug von ausgewiesenen, externen Fachleuten erbracht werden, um den SIA-Vorstand und das Präsidium zu entlasten. Alle anderen Engagements des SIA sind gegenüber diesen Anstrengungen als sekundär zu gewichten.
  5. Die Mitglieder des SIA sind in diesem Prozess periodisch zur Meinungsäusserung und Beschlussfassung wichtiger Meilensteine miteinzubeziehen. Dafür ein geeigneter Rahmen zu entwerfen. Es wird ein klares Bekenntnis von Seiten des Vorstandes und des Präsidiums zum Ziel eines neuen Tools erwartet.

Die hier unterzeichnenden Mitglieder schätzen die Bedeutung und Arbeit des SIA. Die Honorarordnungen und Normen des SIA haben eine lange und anerkannte Tradition – sie sind die eigentliche raison d’être des SIA. Mit den hier formulierten Forderungen setzen sich die Unterzeichnenden für die Fortführung dieser Tradition ein. Ihre Kraft ist Voraussetzung für die qualitätsvolle Weiterentwicklung der Schweizer Wettbewerbs- und Baukultur.
Mit dem besten Dank für Ihre Bemühungen.

Liste der Unterzeichnenden